Kapitel 2

Der realistische Traum vom klimaneutralen Fahren

Um auf dem Weg zu einer umweltschonenden Mobilität weiter voran zu kommen, setzt die deutsche Automobilindustrie auf eine Fächerstrategie: „Einsparen – ergänzen – ersetzen“.

Die deutsche Automobilindustrie ist sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Umwelt- und Klimaschutz bewusst. Schon heute zählen deutsche Autos weltweit zu den effizientesten mit dem geringsten CO2-Ausstoß. Damit konnte Deutschland als einziges westeuropäisches Land seine absoluten CO2-Emissionen des Strassenverkehrs unter den Stand von 1990 senken. Doch der Umweltschutz beginnt bereits, bevor der Schlüssel zum ersten Mal im Zündschloss steckt.

Eine Fabrik ohne Abwasser

Die deutschen Automobilhersteller achten seit Jahren auf besonders ressourcenschonende Herstellungsprozesse. Inzwischen sind sie dabei weltweit führend. Wenn ein Auto fertiggestellt ist, werden 80 Prozent der bei der Produktion anfallenden Rohstoffe zurückgeführt.

Zudem ist es den Herstellern gelungen, den Wasserverbrauch drastisch zu reduzieren, um unsere Gewässer nachhaltig zu schützen. BMW gelang es im österreichischen Steyr sogar, die „abwasserfreie Fabrik“ einzuführen. 30 Millionen Liter Wasser pro Jahr werden dort seit 2006 durch modernste Membrantechnologien eingespart.

Seit Jahren benötigen die Hersteller immer weniger Lösemittel beim Lackierprozess. Innovative Verfahren, wie die Wasserlack- und die Pulverlackierung, bewirken, dass keine andere Automobilindustrie weniger Lösemittel je Quadratmeter lackierter Fläche emittiert als die deutsche.

Immer weiter weg vom Öl

Doch die erreichten Erfolge bei der Produktion und beim Produkt ergeben keinen Grund, sich auf ihnen auszuruhen. Schliesslich ist der Klimawandel eine der dringendsten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Deswegen will die Automobilindustrie auf dem Weg zu einer nachhaltigen und umweltschonenden Mobilität weiter vorankommen. Dabei setzen unsere Hersteller auf eine Fächerstrategie: „Einsparen – ergänzen – ersetzen.“ Kurz- und mittelfristig strebt die deutsche Automobilindustrie weitere Energieeinsparungen in den Fahrzeugen an. Dafür arbeiten die Ingenieure täglich daran, die Effizienz der Otto- und Dieselmotoren zu verbessern. 

Auch der Hybridantrieb – eine Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor – wird ständig weiterentwickelt, um Kraftstoff zu sparen. Die Bemühungen der Entwickler richten sich jedoch nicht nur auf den Antrieb. Vielmehr schöpfen sie in allen Bereichen des Fahrzeugbaus die Optimierungspotenziale voll aus – von der Gewichtsreduktion durch Leichtbauwerkstoffe über die Effizienzsteigerung elektrisch oder hydraulisch betriebener Komponenten bis hin zum Einsatz von Leichtlaufreifen und verbesserter Aerodynamik.

Mittel- bis langfristiges Ziel der Fächerstrategie ist es, unabhängiger von den fossilen Brennstoffen zu werden. Dazu könnten in die Tanks der Fahrzeuge häufiger biogene Kraftstoffe fliessen. Die sind regenerativ, CO2- und schadstoffarm. Dabei setzen die Hersteller vor allem auf jene der zweiten Generation, die aus organischen Abfällen gewonnen werden. Damit ist die „Tank gegen Teller“- Diskussion endgültig beendet, weil sie keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion mehr darstellt. Langfristig will die deutsche Automobilindustrie fossile Kraftstoffe ersetzen. Die Autos der Zukunft könnten mit Wasserstoff und Strom aus regenerativen Quellen fahren.

Klimaneutrale Mobilität – das ist kein Traum, sondern das Ziel der deutschen Automobilindustrie in ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Das ist aber nur mit technischen Lösungen wie der Fächerstrategie allein nicht zu schaffen.

Um das gesamte Einsparpotenzial zu nutzen, muss das gesamte Verkehrssystem effizienter werden. Deshalb tüfteln die Ingenieure der deutschen Hersteller nicht nur an den Fahrzeugen. Sie entwickeln auch Mobilitätskonzepte wie neue Carsharing-Modelle und Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Verkehrsträgern, damit das jeweils optimale Verkehrsmittel genutzt wird. Und sie arbeiten zusammen mit Zulieferern und der öffentlichen Hand daran, dass unsere Verkehrsinfrastruktur durch Telematiklösungen mit Car-2-X-Kommunikation immer besser wird. Dabei haben sie eines immer im Sinn: Der weltweite Anstieg der Mobilität darf nicht auf Kosten unseres Klimas gehen.

Logo: Verband der Automobilindustrie