Kapitel 13

Antrieb für die Wirtschaft

Die Elektromobilität verändert die Automobilindustrie. Die Auswirkungen sind aber auch in anderen Branchen spürbar. Insgesamt kann die Wirtschaft gewinnen, wenn sie sich rechtzeitig auf den Wandel einstellt.

Die Bedeutung der Automobilindustrie für den Wirtschaftsstandort Deutschland wird schon anhand eines Faktes deutlich: Jeder siebte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt von ihr ab. Eine schrittweise Einführung der Elektromobilität wird jedoch größere Veränderungen mit sich bringen. Verlauf und Dynamik dieses Prozesses werden dabei von der Entwicklung der Rohstoffpreise, dem politischen Willen und der Akzeptanz der Verbraucher bestimmt. Je günstiger die Rahmenbedingungen für die Einführung der Elektromobilität, desto größer ist ihr Marktpotenzial. Besonders die Preisentwicklung bei fossilen Brennstoffen wird sich auf die Wechselbereitschaft der Verbraucher auswirken. Letztendlich entscheidet auch das Preis- Leistungs-Verhältnis über den Erfolg der neuen Fahrzeuge und Mobilitätskonzepte.

Sicher ist jedoch, dass sich die Absatzzahlen von Automobilen, getrieben vom globalen Wirtschaftswachstum und der steigenden Weltbevölkerung, erhöhen werden. Vor allem in den BRIC-Märkten – also in Brasilien, Russland, Indien und China – nimmt der Wunsch nach individueller Mobilität weiter zu. Diese Märkte sorgen laut der Strategieberatung Roland Berger bis 2025 für 83 Prozent des Marktwachstums.

Wachstum durch Elektrifizierung

Während die weltweite Fahrzeugproduktion bis 2030 jährlich um 3 Prozent steigt, wachsen die Erlöse aus der Weiterentwicklung der Antriebstechnologien um 5 Prozent im Jahr. Unterstrichen wird die Bedeutung des Antriebsstranges von einer Studie der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey aus dem Jahr 2010. Sie prognostiziert einen starken Anstieg der Erträge in diesem Segment – und zwar von derzeit 190 auf 460 Milliarden Euro im Jahr 2030. Dabei entfallen laut McKinsey rund 80 Prozent des Anstieges auf die schrittweise Einführung elektrischer Antriebskonzepte. Die Batterietechnik wird einen wesentlichen Beitrag an der Steigerung der Erlöse aus dem Antriebsstrang leisten. Allein der Markt für Lithium-Ionen-Batterien soll laut Prognosen bis zum Jahr 2015 auf 4 Milliarden Euro anwachsen. Heute liegt er bei 1,4 Milliarden. Bei einem Wertschöpfungsanteil von rund 40 Prozent an einem reinen Elektrofahrzeug wird deutlich, welche Bedeutung der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Batterieindustrie für den Wirtschaftsstandort Deutschland hat.

Speicher des Erfolges

Momentan kommen nur rund zwei Prozent aller weltweit produzierten Batteriesysteme aus Deutschland. Soll dieser Anteil deutlich gesteigert werden, ist eine zügige Industrialisierung der Zellproduktion notwendig. Nur so kann langfristig die Herstellung leistungsstarker und wettbewerbsfähiger Produkte erreicht werden. Das Potenzial wäre enorm. Nach Schätzungen der NPE entsteht bis 2020 in der Automobil- und Zulieferindustrie sowie im Bereich Infrastruktur ein Potenzial von rund 30 000 neuen Arbeitsplätzen in Deutschland. Die Effekte auf dem Arbeitsmarkt wären branchenübergreifend spürbar. So sind besonders bei der Produktion von Komponenten für die Zell- und Batteriefertigung Innovationen der chemischen Industrie entscheidend. Ihr kommt eine große Bedeutung in der Wertschöpfungskette der Elektromobilität zu.

Chancen für Branchen

Der Einsatz neuer Komponenten in Elektrofahrzeugen bewirkt spürbare Veränderungen in der Wertschöpfungskette. Batterien, Elektromotoren und die komplexe Steuerelektronik erfordern neues Know-how. Technologien, die in Verbrennungsmotoren zum Einsatz kommen – wie zum Beispiel die Herstellung mechanischer Antriebskomponenten – werden langsam, aber stetig an Bedeutung verlieren. Eine rechtzeitige Orientierung hin zur Produktion von neuen Komponenten sichert den Technologievorsprung und somit Arbeitsplätze. Die Einführung von Elektromobilität erfordert eine zukunftsorientierte Planung der Ressourcen und ein umfangreiches Rohstoffmanagement und vor allem eine entsprechende Qualifizierung der Mitarbeiter. Der Bedarf im Bereich Mechanik und Metallverarbeitung wird tendenziell sinken, während vor allem in den Bereichen Mikroelektronik und der Herstellung von Kunststoffen neuer Bedarf entstehen wird. Auch in der Forschung und Entwicklung wird sich dieser Trend abzeichnen.

Die Entwicklung der Elektromobilität kann darüber hinaus wichtige Impulse für weitere Branchen liefern. Denn batteriebetriebene Fahrzeuge benötigen eine Ladeinfrastruktur. Sollen Fahrzeuge an intelligente Netze angeschlossen oder sogar Teil der Stromversorgung eines intelligenten Hauses werden, müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Brennstoffzellenfahrzeuge müssen Wasserstoff tanken. Energie muss, wie für Verbrennungsmotoren auch, jederzeit vorhanden sein. Rund um die Elektromobilität entstehen so neue Serviceangebote. Insbesondere an der Schnittstelle zwischen Nutzern und Anbietern können sich Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen am Markt etablieren. Das schafft Arbeitsplätze und Wachstum.

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