Kapitel 3

Zurück in die Zukunft mit Elektromotoren

Elektrofahrzeuge sind keine neue Erfindung. Im Straßenverkehr konnten sie sich jedoch bisher nicht durchsetzen. Und trotzdem gehört ihnen die Zukunft. Dank neuer Technologien.

Wenn es um den Verkehr der Zukunft geht, geht es immer auch um Elektromobilität. Dabei sind die Ursprünge der Technologie bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu finden. Allerdings konnte sie sich nur auf der Schiene durchsetzen und nicht auf der Straße. Autos boten zu wenig Platz, um den Strom zu speichern. Vor allem aber waren Verbrennungsmotoren erheblich leistungsstärker und billiger. Das Gefühl, unabhängig und flexibel zu sein – vielleicht der wichtigste Grund für die Faszination des Autos –, konnten Elektrofahrzeuge den Fahrern bisher nicht bieten.

Doch mittlerweile kann sich keiner mehr leisten, auf Elektromobilität als einen Lösungsansatz zu verzichten. Die Grundlage für Verbrennungsmotoren sind heute vornehmlich fossile Energieträger. Die sind jedoch nicht unbegrenzt verfügbar. Durch das Wachstum der Weltbevölkerung sowie durch die zunehmende Industrialisierung der Schwellenländer und deren immer höher werdenden

Lebensstandard steigt die Nachfrage nach Erdöl und Edelmetallen stetig. Der größere tägliche Bedarf an Ressourcen beschleunigt deren Verknappung. Die absehbare Folge: Die Preise für alle Rohstoffsektoren werden sich erhöhen.

Darüber hinaus gibt es weltweite Anstrengungen, den CO2-Ausstoß durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe zu senken und dadurch den Klimawandel bzw. die globale Erderwärmung zu begrenzen. Deswegen hat sich die deutsche Automobilindustrie das ehrgeizige Ziel gesetzt, immer unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden. Denn momentan verursacht der weltweite Straßenverkehr etwa zehn Prozent der für den Klimawandel verantwortlichen Emissionen. Ein Auto, das völlig ohne Emissionen auskommt – darauf arbeiten die Ingenieure mit Hochdruck hin. Das Elektroauto ist hier ein möglicher Weg.

Natürlich sind einige Elektroautos bereits auf deutschen Straßen unterwegs. Da sie Strom statt Kraftstoff in Bewegungsenergie umwandeln, produzieren sie während der Fahrt keine klimaschädlichen Gase. Schon unter heutigen Bedingungen und dem derzeitigen Energiemix in Deutschland emittieren sie weniger CO2 als konventionelle Fahrzeuge. Gelingt es jedoch, die benötigte Energie aus regenerativen Quellen wie Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zu gewinnen, machen Elektrofahrzeuge das Wunder möglich: Mobilität ohne Schadstoffausstoß.

Die rasante Entwicklung des Elektromotors

Doch warum soll jetzt auf einmal Realität werden, was in den vergangenen 150 Jahren ein ferner Traum blieb? Die Entwicklung der Batterietechnik hat kürzlich einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Erst das hat die Elektromobilität zu einer Option für künftige Mobilität werden lassen. Die Entwickler haben sich darauf konzentriert, die bestehenden Vorteile von Elektromotoren gegenüber Verbrennungsmotoren zu nutzen. Das ist zum Beispiel der hohe Wirkungsgrad eines Elektromotors. Während ein Verbrennungsmotor bis zu 50 Prozent der Energie im Kraftstoff verwerten kann, nutzt der Elektromotor zwischen 80 bis fast 100 Prozent der zur Verfügung gestellten Energie. Ein Elektromotor kommt also mit der gleichen Energiemenge deutlich weiter. Pflegeleichter ist er sowieso. Kupplung und Schaltgetriebe fallen weg oder werden einfacher und auch der Motor hat weniger Komponenten, was seine Wartung erheblich vereinfacht.

Im Fokus der Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Automobilindustrie stehen zwei Alternativen des Elektromotors. Zum einen die batterieelektrischen Fahrzeuge (battery electric vehicle, BEV), zum anderen Fahrzeuge mit einer Brennstoffzelle aus Sauerstoff und Wasserstoff (fuel cell electric vehicle, FCEV).

Bei der herkömmlichen Blei-Batterie gab es vor allem zwei Probleme: Platz und Gewicht. Lange Zeit nahm die Batterie einen Großteil des Fahrzeugs ein und war zudem sehr schwer. Die Technologie der Lithium-Ionenbasierten Akkus ermöglicht es nun, vergleichsweise große Energiemengen bei geringerem Volumen und Gewicht zu speichern. Doch das ist nicht alles.

Um die hohen Sicherheitsstandards deutscher Automobile zu erfüllen, müssen die Batterien einer Reihe von Anforderungen standhalten können. So dürfen sie bei Unfällen keine Gefahrenquelle für die Insassen darstellen. Und auch die alltäglichen Belastungen durch Vibrationen und Stöße müssen sie aushalten. Mittlerweile können batteriebetriebene Autos im Stadt- und Kurzstreckenverkehr schon zum Einsatz kommen. Deshalb ist die Hoffnung berechtigt, dass in den nächsten Jahren weitere Technologiesprünge kommen. Kompakter, leichter und sicherer - das ist die Losung.

Mit Wankel in die Zukunft

Auf Münchens Straßen wird derzeit der Audi A1 e-tron getestet. Das nahezu serienreife Mega City Vehicle kann im Stadtverkehr bis zu 50 km weit mit Elektroantrieb fahren. Für das emissionsfreie Fahren sorgt ein Paket aus Lithium-Ionen-Modulen. Ist deren Energie erschöpft, hilft erstmals ein kompakter Einscheiben-Wankelmotor als Range Extender aus. Sein Vorteil gegenüber Hubkolbenmotoren: Er ist kleiner, leichter und leiser. Über einen Generator lädt er die Batterie wieder auf und sorgt so für eine zusätzliche Reichweite von 200 Kilometern. Dabei bringt der A1 e-tron eine Spitzenleistung von 75 kW oder 102 PS und schafft über 130 km/h.

Hybridtechnik: Nebeneinander, hintereinander, miteinander

Die Zukunftsvision vom emissionsfreien Auto ist also greifbar - aber noch nicht fest in der Hand. Bis es soweit ist, setzen die deutschen Hersteller vor allem auf eine Brückentechnologie: den Hybridmotor. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Verbrennungsmotor und elektrischen Antriebselementen. Die Vorteile beider Technologien gehen zusammen, um eine möglichst hohe Kraftstoffeinsparung zu erreichen. Der hohe Wirkungsgrad des Elektromotors und seine Fähigkeit zur Energierückgewinnung beim Bremsen verringern den Verbrauch. Das kommt vor allem im Stadtverkehr mit den vielen Stopp-und-Anfahr-Phasen zum Tragen. Für Kraft, Geschwindigkeit und hohe Reichweiten bleibt der Verbrennungsmotor zuständig.

Doch auch Hybrid ist nicht gleich Hybrid. In der Anwendungsart unterscheidet man vor allem zwischen Mild- und Full-Hybrid. Beim „milden Hybriden“ wird der Elektromotor zur Leistungssteigerung oder zur Erhöhung der Effizienz verwendet. Die Rückgewinnung der Energie beim Bremsen ist der wichtigste Faktor. Ein Fahrzeug, das in der Lage ist, mit seinem Elektromotor (im gewissen Rahmen) selbstständig zu fahren, gilt als Full-Hybrid-Fahrzeug. Auch in der Bauweise gibt es einige Varianten.

Mild-Hybride sind fast immer parallele Hybridantriebe. Hier sind sowohl Verbrennungs- als auch Elektromotor mit dem Antriebsstrang verbunden. Da beide Motoren das Fahrzeug antreiben können, kommen sie jeweils mit weniger Leistung aus. Das Ergebnis: weniger Gewicht und weniger Kosten. Elektromotor und Batterie sind im Parallel-Hybrid in der Regel nicht darauf ausgelegt, das Fahrzeug aus eigener Kraft zu bewegen.

Die Bauweise des Seriell-Hybrid, die vorzugsweise auf dem Full-Hybrid basiert, kommt dem reinen Elektrofahrzeug näher. Im Gegensatz zur parallelen Wirkweise übernehmen hier beide Aggregate voneinander getrennte Aufgabenbereiche. Der Verbrennungsmotor erzeugt mithilfe eines Generators elektrischen Strom. Dieser wird dem Elektromotor über eine Batterie zum Vortrieb zur Verfügung gestellt. Bei geladener Batterie können Hybridfahrzeuge dieser Bauweise ohne Verbrennungsmotor angetrieben werden. Daher fahren sie streckenweise extrem emissionsarm. Voraussetzung dafür sind jedoch im Vergleich zum Parallel-Hybrid wesentlich leistungsstärkere Batterien, um die benötigte Energie zu speichern.

Eine Kombination aus Parallel- und Seriell-Hybrid ist der Misch-Hybrid. Die Leistung des Verbrennungsmotors kann einerseits direkt an den Antrieb abgegeben werden. Andererseits kann sie aber auch die Batterie mittels eines Generators aufladen. Eine weitere Mischform ist der Split-Hybrid. Seine Besonderheit: Die Energie des Verbrennungsmotors in ihm wird zum gleichzeitigen Aufladen der Batterie und zum Antrieb des Fahrzeuges verwendet.

Die nächste Entwicklungsstufe auf dem Weg zum rein elektrisch betriebenen Fahrzeug stellen Plug-in-Hybride dar. Die Batterien werden beim Einsatz dieser Technologie nicht allein über den Motor aufgeladen, sondern können zusätzlich über das Stromnetz Energie beziehen. Das ermöglicht längere Fahrten – voll elektrisch.

Für weite Strecken ohne Zwischenstopp am Stromnetz eignen sich sogenannte Range Extended Electric Vehicles (REEV). Meist verfügen sie über einen kleinen Verbrennungsmotor, der bei Bedarf einen Generator antreibt. Dieser liefert Strom, sobald die Batterie erschöpft ist. So wird der Aktionsradius der Fahrzeuge deutlich erweitert. Wer in einem REEV oder Plug-in-Hybrid fährt, bekommt eine Ahnung davon, wie attraktiv ein reiner Elektromotor sein kann. Die Elektromobilität der Zukunft ist eine Option, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter zu verringern.

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